Der Parforceritt in der Parforceheide

Am Sonntag, den 10.07.2016 fand erstmalig der Parforceritt statt. Eine Schnitzeljagt mit besonderer Herausforderung. Austragungsort war die Parforceheide südwestliche von Berlin. Dieses rund 2350 Hektar umfassende Landschaftsschutzgebiet, bekam seinen Namen durch Friedrich Wilhelm I (auch als Soldatenkönig bekannt) und diente überwiegend der Parforcejagt [1]. Den entsprechenden Ritt beschreibt der Duden wie folgt: „mit großer Anstrengung, unter Anspannung aller Kräfte bewältigte Leistung“ [2]. Wenn das mal keine Ansage ist!

Pre-Race/ Rennvorbereitung

Das Rennen begann schon einen Tag früher. Das Organisationsteam um Ingo Urban, schickte sieben GPS Segmente an alle Teilnehmer, mit der Aufgabe, aus diesen Segmenten einen individuellen Rundkurs zu erstellen. Die Segmente waren 3-6km lang und lagen im Schnitt ca. 3-5km auseinander. Somit konnte man je nach Gusto einen Rundkurs zwischen 60-70 km über Feld-, Waldwege und Straßen zusammenstellen. Zusätzlich gab es noch acht Bilder von Landschaftsmarkierungen, die auf den jeweiligen Segmenten gefunden werden mussten. Also hieß es am Samstag erst einmal Rennvorbereitung. Die Routen war dank diverser Hilfstools relativ schnell zusammengesetzt, wobei ich versucht habe die Vorteile des Crossers auszunutzen. So entschied ich mich für ein etwas längeres, asphaltiertes Straßensegment zwischen dem 2. und 3. Segment, da der direkte Weg über das Feld nur 700m kürzer und höchstwahrscheinlich auch langsamer war. Geschwindigkeitsmäßig ist man auf dem Straßenabschnitt eh schneller, da sich bei gutem Wetter die Rennradfahrer nur so stapeln. Nachdem der Track mit 61,5 km stand, wurden noch schnell die Bilder ausgedruckt und geschaut, wo auf der Strecke was sein könnte.

Der Renntag

Treffpunkt war um 9:30 im Enduro Cafe. Da ich die 40km mit Rad hinfahren wollte um mich noch ein bisschen mit den Clement X’Plor MSO anzufreunden, hieß das für mich um 7:30 starten, da kann man unterwegs noch eine Kaffeepause machen. Nach 2,5 km dann die erste Aufgabe: „Wo sind die Trinkflaschen?“… Nach 45km ohne Kaffeepause bin ich dann noch pünktlich am Treffpunkt angekommen. Es war eine beschauliches kleines Gartencafe, welches erst vor zwei Wochen eröffnet hat. Sich dann gleich Crosser ins Haus holen…Nun ja, renovieren soll ja auch Spaß machen J, aber das Wetter war gut und die Strecke trocken. Das Starterfeld von ca. 15 Mann war für eine Erstveranstaltung absolut ausreichend. Die Rennatmosphäre war locker und man kam sehr schnell mit den anderen Fahrern ins Gespräch. Schnell noch bei der Rennleitung anmelden, Goodiebag abholen, Baumknutschzettel ausfüllen (Haftungsausschluss) und dann erst mal Frühstücken mit Kaffee und Kuchen (Ja, wenn der Kuchen selbst gemacht ist, dann geht auch Kaffee und Kuchen zum Frühstück J). Lecker!

Nach der Stärkung ergriff Ingo URBAN Cycles das Wort und gab den Rennmodus sowie die Teams bekannt. Gestartet wurde in Zweier-Teams in einem Abstand von 3 Minuten. Da wir eine ungerade Anzahl an Startern waren, gab es ein Dreier-Team. Ursprünglich stand ich alleine auf der Liste, aber da es ein lockeres Rennen war, hatte es keine 10 Sekunden gedauert und wir hatten das zuletzt startende Dreier-Team zusammen. 10:27 ging es dann für uns los. Voller Elan ging es in den ersten Wachrüttler. Nach 500m – Verfahren! ….(individuelles Fluchwort einsetzen)…!  300m weiter… Das ist nicht mein/unser Tag. Gut nun kann man mit dem Sigma Rox 10 GPS nicht wirklich gut navigieren, für die Straße ist er sehr gut geeignet, aber im Wald zeigten sich doch erhebliche Nachteile am Navigationskonzept. Glücklicherweise hatte ein Mitstreiter noch ein Garmin mit Karte dabei und so Teilten wir uns die Navigation auf.

Das erste Segment hatte es schon in sich. Sehr schmale Wege, Links und Rechts mit Brennnesseln bewachsen. Weiter ging es durch den Wald nach Stahnsdorf wo das erste Segment endetet. Von hier ging es dann quer über das Feld direkt zum Anfang des 2.Segmends, wo das erste Fotomotiv auf uns wartete. Ein Belüftungsschacht für einen unterirdischen Tank oder Bunker (in der Ecke weiß man nie). Zu unserem Erstaunen hatten wir die erste Startergruppe, ein Ehepaar in den besten Jahren, eingeholt. Dem 2. Segment folgend ging es in ein kleines Waldstück wo die zweite Startergruppe mit dem flicken eines Schlauches beschäftigt war. Wie gut, dass unsere Truppe zu 2/3 Schlauchlos unterwegs war. Am Ende des Segments hat sich mein Riecher bestätigt. Da der Weg zum 3. Segment sich am Sonntag zu einem Rennradhighway entwickelt, dauerte es nicht lange bis die erste Windschattengruppe erschien. Hinten angehangen, ging es dann mit Volldampf zum 3. Segment. Am ersten Fotomotiv im 3. Segment angekommen, zeigte das verdutzte Gesicht der anscheinend in Führung liegenden Gruppe die gerade ankam, dass die Straße der bessere Weg war. Auf dem 3. Segment zeigte sich dann zum ersten Mal die volle Härte des Parforceritts. Sandpassagen von mehreren Kilometern Länge. Nach dem durchfahren der ersten Passage fiel mir unweigerlich die inoffizielle Landeshymne von Brandenburg ein: „Märkische Heide, Märkischer Sand, sind des Märkers Freude sind des Radlers Feind…“. Hier wären Ballonreifen jetzt vom Vorteil, denn der märkische Sand ist unerbittlich, wenn er einmal zupackt, heißt das absteigen. Hinzu kommt noch diese elende Hitze, 33°C im Schatten -sofern vorhanden- und in der Sonne knapp an die 40°C. Wer einen ungefähren Eindruck davon haben möchte wie Anstrengend die Sandpassagen in der Märkischen Heide sind, der benötigt vier Sachen. Sauna, Rollentrainer mit Bremse, eine zweite Person und feinen Sand oder Staub. Die Sauna wird auf 40°C eingestellt (ohne Aufguss! Es muss sehr trocken sein). In dieser wird der Rollententrainer platziert und man fährt sich eine halbe Stunde „warm“. Nach dem Warmfahren wird die Bremse gezogen und eine weitere Person, pustet einen in regelmäßigen Zeitabständen Staub, feinen Sand oder Ähnliches in das Gesicht während man versucht den Bremswiderstand zu überwinden. Ungefähr so fühlten sich die Sandpassagen an.

Wer sagt, dass Crosser nicht auf Bäumen wachsen…

Nach dem 3. Segment ging es dann über zum Verschnaufen über asphaltierte Wege in das 4. Segment von Gröben nach Tremsdorf. Eine scheinbare Wohltat für Rücken und Arme. Eingeleitet von ebener Strecke, wurde es schnell sandig. Sehr sandig. So sandig, das ich glaubte der Sand vom Ostseestrand macht gerade Urlaub in der Parforceheide. Die Alternative zur Sandpiste war die Fahrt durch das fast einen halben Meter hohe Graß- Brennnesselgemisch. Nach 2km war auch dieses Segment beendet. Das 5. Segment ging über Waldwege und teilweise gepflasterten Straßen mit einigen Hügelaufpassagen, war aber relativ unspektakulär. Ich erwischte mich wie ich schrie „Hurra Kopfsteinpflaster!“ Dieser Ausruf ist normalerweise nur bei den Frühjahrsklassikern legitim aber, wenn man die Wahl hat zwischen Sand und Kopfsteinpflaster, hat man nach Segment 3 und 4 gelernt, das alles besser ist als Sand.

Die Paltrockmühle wurde 1839 in Oranienburg erbaut und 1879 in Langerwisch neu errichtet [3] war Fotomotiv und Startpunkt in das 6. Segment. Dieses bestand überwiegend aus Waldwegen und Kopfsteinpflasterpassagen. Wenn man nicht so viel Kraft in den vorherigen Segmenten gelassen hätte, könnte man hier noch sehr gut Zeit gut machen, aber die Energiespeicher waren leer und man verfiel zunehmend in den „Funktionieren“ Modus. In diesem Modus ist einem alles Egal, die Aufmerksamkeitsspanne sinkt und man zählt die Kilometer bis zum Erreichen des Ziels. Noch 10…9…8…8,5…7,95…

Das siebte, letzte und auch längste Segment zeigte sich noch einmal von der besten Seite. Man könnte es als Zusammenfassung des Parforceritts bezeichnen. Kopfsteinpflaster, Sandpassagen, Hufschläge und Waldwege forderten von den Teilnehmern noch einmal alles ab. Sichtlich erschöpft und mit den letzten Kräften kamen wir dann, überglücklich die erste Ausgabe des Parforceritts gemeistert zu haben, nach 2:45 h und einer Gesamtdistanz von 61,5km im Ziel an. Dort erwarteten uns neben den anderen Teilnehmern, kühle Getränke, frisch gegrilltes und selbstgemachte Salate. Natürlich darf auch das Revue passieren und Fachsimpeln nicht fehlen. Je nach Erschöpfungsgrad fielen die Antworten kürzer oder Länger aus. Leider konnte ich nicht zur Siegerehrung bleiben, da es für mich wieder hieß: aufsitzen und im Schneckengang zurück nach Hause, wo meine Frau mich mit dem warmen Worten:“ So staubig kommst du mir nicht ins Haus!“ empfing.

Impressionen des Ritts

Fazit:

Für eine Erstauflage war der Parforceritt eine sehr gelungene Veranstaltung. Das Konzept aus „Schatzsuche“ in Verbindung mit anstrengenden Crosspassagen gefiel und machte Lust auf mehr. Insbesondere die individuelle Vorabplanung der Strecke -jeder kennt sein eigenes Leistungsvermögen am besten- kam mir sehr entgegen, da man mit der richtigen Planung Meter und Zeit gut machen konnte. Auf einer gerade von mir selbst entwickelten Skala von 1 bis 10, wobei eins der Wochenendausflug mit Oma und Opa ist und die 10 den Qualen einer 15km langen und nassen, 30 prozentigen Steigung aus Schlamm und Geröll entspricht, erhält der Parforceritt eine solide 7. Man möchte heulen, ist der Verzweiflung nahe, schafft es irgendwie ins Ziel und es war trotzdem Super. So denken nur Radfahrer. Hier passt der Name zum Rennen. Ein echter Parforceritt.

In Summe, 61,5 km und 2h 45 Minuten durch die Brandenburger Prärie

Strecke

Quellen:

[1] wikipedia.org, Suchbegriff Parforceheide, https://de.wikipedia.org/wiki/Parforceheide, zuletzt zugegriffen am 11.07.2016

[2] Duden, Suchbegriff Parforceritt, http://www.duden.de/rechtschreibung/Parforceritt, zuletzt zugegriffen am 11.07.2016

[3] wikipedia.org, Suchbegriff Paltrokmühle, https://de.wikipedia.org/wiki/Paltrock-_und_Bockwindmühlen_Langerwisch , zuletzt zugegriffen am 11.07.2016

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