Was für ein Brocken und 1€ in die schlechte Witze Kasse

Gute Route  -> Damit fing der Schlamassel an und 1,-€ verabschiedete sich in die schlechte Witze Kasse .

Der gemeine Berliner und Brandenburger kennt keine Berge. Erhebungen von 20m und mehr werden hier als solcher bezeichnet. Leute mit montanem Hintergrund, können bei den Höhen nur schmunzeln. Ähnlich dem Schmunzeln eines Europäers, wenn ein Amerikaner die Worte „historisch“ und „sehr alt“ für US-Gebäude verwendet.

Um mal einen kleinen Berg zu erfahren, ging es ab in den Harz auf den höchsten Gipfel in Norddeutschland -der Brocken. 1141,1m hoch und nicht 1142 wie in vielen Kartendiensten angegeben. Da die Strecke zum Gipfel von Schierke aus „nur“ 12 km sind und man sich vorher etwas warm fahren möchte, haben wir die Tour von Vienenburg aus geplant um noch ein bisschen harzer Natur und Örtlichkeit zu genießen.

Die Route, das Kartenmaterial ist von Openstreetmap
Die Route, das Kartenmaterial ist von Openstreetmap

Der Tag

Begonnen hat alles in Vienenburg am Bahnhof. Welches der ältesten noch in Betrieb befindlichen Bahnhof Deutschlands ist (Seit 1844 wird hier auf die Bahn gewartet). Neben einem kleinen Eisenbahnmuseum gibt es hier auch ein Kaffee, welches einem die Wartezeiten auf den Zug verkürzt (und die kann lang sein). Von Vienenburg ging es direkt los nach Lochtum, ein kleines verschlafenes Bauerndorf in Sachsen Anhalt. Vorbei an der innerdeutschen Grenze, wo das obligatorische „Mir machn nüber!“ kommen musste. Das Benachrichtigungssignal des Telefons an der Stelle wurde als Nachricht vom Mobilfunkanbieter, dass man auch im Ausland kostengünstig telefonieren kann, gedeutet.

Innerdeutsche Grenze Lochtum
Innerdeutsche Grenze Lochtum

Dem ehemaligen Grenzweg folgend, war das nächste große Ereignis (abgesehen von der Pinkelpause) bei Kilometer 15 – Ilsenburg. Dessen Altstadt kann sehr wohl mit dem Attribut schön beschrieben werden. Ein kleiner Teich, von Fachwerkshäusern umgeben, lud zum verweilen ein. Wenn noch ein Kaffee dagewesen wäre, hätte es durchaus etwas werden können mit Ilsenburg und uns. Aber zum einen gab es kein Kaffee und zum anderen hatten wir andere Tagesziele. Daher ging es weiter nach Wernigerode.

Forellenteich in Ilsenburg
Forellenteich in Ilsenburg

Wernigerode die Stadt im Harz, hatte uns nur für eine kurze Zeit. Da das Wetter sich zusehends verschlechterte und wir noch etwas Sicht auf dem Brocken haben wollten, sind wir leider an der sehr schönen Altstadt vorbei in Richtung Schierke. Nach wenigen Metern schlug der Mann mit dem Höhenprofil zu. Raus aus Wernigerode -natürlich über die Feldwege, das Giant ist ja ein Crosser- und gleich mal 3 km mit einer durchschnittlichen Steigung von 7% und kleinen 13% Spitzen. Hier kann einem schon die Frage nach dem Warum kommen. Nachdem das gröbste vorüber war, gab es erst mal eine kleine Essenspause. Die konnte man auch gut gebrauchen, den weiter ging es nach Schierke über teilweise beste Cyclecross Wege bis hin nach Drei Annen Hohne. Von hier nahmen wir die Landstraße nach Schierke (mussten ja wenigstens nen bissel voran kommen). Die kurzzeitige Überlegung eine Flasche Schierker Feuerstein (Feuerwasser mit Kräutern) mitzunehmen wurde unter dem drohenden Gesichtspunkt der Gewichtsoptimierung fallen gelassen („Das musst du alles hoch schleppen!“). Abgelenkt von dem Für und Wider eine Flasche des Kräuterli mit auf den Brocken zu schleppen, gab es  eine kleine Verschnaufpause.

Hier einmal die innerliche Diskussion

Pro:

  • Man hat was zu trinken
  • Trinken wärmt von innen
  • gibt Prozente
  • Flasche wird auf dem Weg zum Gipfel  leichter

Kontra:

  • Zum trinken muss man anhalten
  • Zum Weiterfahren muss man wieder aufsetzen
  • Flasche passt nicht in den Flaschenhalter
  • Hohes Anfangsgewicht

 Also machten wir uns auf den Weg, den  Brocken zu erklimmen (und ja, hätten wir die Flasche mal mitgenommen)

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Kurz vor dem Brockenaufstieg

10km Lang mit einer durchschnittlichen Steigung von 6-9% und drei steile Abschnitte mit 13+% Steigung. Das sind die technischen Daten der größten norddeutschen Erhebung. Am Fuße des Berges begegneten wir  einen anderen Abenteurer, der sich während des Aufstieges nett mit uns unterhielt (und eigentlich, ja so ehrlich sind wir, den Berg hochgezogen hat mit seinen 3 Kettenblättern). So geschah es, dass nach nicht allzu langer Zeit die ersten 5 Kilometer hinter uns lagen ohne große Anstrengung. Es folgten die ersten steilen Anstiege. No. 1 ging gut. hinterher das Tempo noch heraus genommen um den Puls wieder runter zu bekommen und es waren nur noch 3,5 km zur Spitze. Dann der zweite Anstieg- mit Kurve und Touristen. Die dachten bei den abgegebenen Schnaufflauten, dass eine Dampflock von hinten kommt und machten freiwillig Platz. Ein überwiegender Teil wird sich aber auch denken „Man Man Man, zu Geizig um ein Fahrradticket zu kaufen.“ Egal! Wieder etwas runter kommen und für den letzten finalen Anstieg präparieren. Die Touristenmengen werden dichter. Aber nichts destotrotz wird unaufhörlich wie eine Dampflokomotive den Berg weiter hochgeschnaubt. Dann der letzte Anstieg. Puls und Höhenmeter addiert haben gefühlt die 3000 geknackt. Im Kopf breitete sich der Gedanke des Absteigens aus. Nur ein kleiner Teil im Hypothalamus sagte  „Bratwurst mit Pommes – wenn du es schaffst“ und spielte in meinem Gedächtnis das YouTube Video von vor 2 Tagen ab. Dieses zeigte wie der Anstieg gleich zu Ende ist gefolgt von Werbung für Schierker Feuerstein. Das nenne ich intrinsische Motivation- High Five ans Hirn.

Halbzeit

Geschafft! Die Steigung lässt nach, jetzt gilt es auspendelnd und weniger schnaufend (soll einem ja keiner die Anstrengung ansehen) zur Gipfelsteinansammlung.

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Gipfelfoto

Trivia am Rande: Die erste Vermessung des Brockens im 19. Jhd. datierte die Höhe auf 1141,7m. In den Kartenmaterialien wurde immer großzügig aufgerundet. 1991 wurde der Brocken neu vermessen und es stellte sich heraus, dass dieser nur 1141,1m hoch ist. Eine Laune von Eifersucht trieb dann die Leute dazu, Steine auf den Gipfel zu legen, sodass er nun 1143m Höhe misst (oberkannte Stein).

Oben gab es dann beim Brockenwirt die vom Hypothalamus versprochene Bratwurst mit Pommes für 6,-€. Ist ein fairer Preis, wenn man gesehen hat, was die Wurst durchleiden musste damit sie auf den Brocken kommt. Nach dem kurzen Schmaus wurde dann die Abfahrt angetreten. Windjacke an und ab geht es. Aufgrund des Tempolimits von 30 km/h war diese dann nicht so spektakulär wie Ursprünglich gedacht… hust… Nun man muss auf die Touristen acht geben und Regel No.12. : „Massenattraktion“ trifft hier genau wie auf jedem freien Rad-Fußgänger-Mischweg zu.

Zur Erklärung: Der Rennradfahrer hat aufgrund seines Fahrrades ein erhöhtes Gesamtgewicht. Daraus lassen sich zwei Szenarien der Massenattraktion ableiten. Szenario eins: Der Tourist ist leichter als das Gesamtgewicht des Rennradfahrers. Dieser Tourist (oder sein Haustier) werden vom Rennradfahrer aufgrund der höheren Masse angezogen und laufen auch bei komplett freier Straße diesem vor das Vorderrad. Szenario zwei die Gesamtmasse des Radfahrers ist geringer als die des Touristen. Hier wird der Radfahrer von der Touristenmasse angezogen. Welches Szenario zutrifft ist unerheblich. Beide enden mit einem Touristen vor dem Vorderrad und dem abrupten Belastungstests des Bremssystems. Begleitet von einem Huch oder Ahhh!

Nach der Hälfte der Abfahrt bogen wir ab durch das Ilsental in Richtung Ilsenburg. Asphaltierter Weg war von nun an Mangelware. Ein richtiger Belastungstest für den Crosser. Aber von der Natur und der rasanten Geschwindigkeit verzaubert, waren die stetigen Erschütterungen schnell vergessen.

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Ilsenthal

Zurück in Ilsenburg, das uns mit tollem Kopfsteinpflaster wieder empfing (Abfahrt rüttelte ja nicht genug), wurden die Getränkevorräte aufgefüllt und es begann die Rückfahrt nach Vienenburg. Hier hatten wir uns allerdings von der Zeit etwas verkalkuliert (Vielleicht hätten auch nur die Pommes gereicht). Den Zug hatten wir um wenige Minuten verpasst und somit  die Gelegenheit das Kaffee zu testen. Einen „Eimer“ Milchkaffee für 2,70€ war ein sehr guter Preis. In Berlin bekommt man im Gegensatz zu Vienenburg nur homöopathische Dosen des Heißgetränkes. Nach einer Stunde Wartezeit, nahmen wir dann den nächsten Zug zurück. Ein gelungener Tag der mit dem Mindestziel „nicht Absteigen beim Aufsteigen“ erreicht wurde.

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